Montag, 30. August 2010

Der Unterschied der Geschlechter

Der Unterschied der Geschlechter


Führen die Geschlechter einen Krieg gegeneinander?
Reizthemen wie Geschlechterkonflikt, Emanzipation, Unterdrückung der Frau, sexuelle Gewalt usw. erinnern daran, dass zwischen den Geschlechtern ein gehöriges Potenzial an Zündstoff existiert.
Der Mann-Frau-Konflikt in seiner sozialpolitischen Dimension lässt sich zurückführen auf kulturelle Entwicklungen, die vor rund Zehntausend Jahren ihren Anfang nahmen – als die ersten Menschen sesshaft wurden und anfingen Ackerbau und Viehzucht zu betreiben.


Mann und Frau haben unterschiedliche Zielsetzungen


Aber zwischen den Geschlechtern existiert auch ein Konfliktpotenzial, das sich aus der Entwicklungsgeschichte des Lebens auf unserem Planeten ableiten lässt. Es beeinflusst unbewusst das Verhalten von Liebes- und Ehepaaren. Männer und Frauen ziehen deshalb – biologisch gesehen – nicht am selben Strang.
Diese Unterschiedlichkeiten existieren weltweit, auch bei höher entwickelten Tierarten. Sie reichen zurück bis in jene Zeit, als primitive Urorganismen die sexuelle Fortpflanzung „erfunden“ haben. Dies ist ein aufwändiger und komplizierter Vorgang der Vermehrung. Davor existierte über viele Jahrmillionen die ungeschlechtliche Fortpflanzung. Eine primitive Art und Weise, aus eins zwei zumachen.


Mit dem Sex fing alles an


Bei jeder sexuellen Fortpflanzung hingegen kommt es zu einer Verschmelzung zweier unterschiedlicher Geschlechtszellen, die man Gameten nennt. Zygote heißt das Vereinigungsprodukt – ihr Wachstum läutet die Embryonalentwicklung ein...

Es existiert sowohl im Pflanzen- als auch im Tierreich ein einzig sicheres Kriterium zur Unterscheidung von männlich und weiblich: die Größe der Geschlechtszellen. Sie sind bei allen weiblichen Organismen sehr viel größer als bei den männlichen. Das war aber nicht so von Anfang an.
Zum Beginn der sexuellen Fortpflanzung (vor cirka einer Jahrmilliarde), als männlich und weiblich entstand, gab es keine größeren Unterschiede bei den Gameten. Die adulten Individuen waren etwa gleich groß und auch ihre Geschlechtszellen waren es. Es waren Isogameten (iso = gleich) gewesen, so wie wir sie heute noch bei primitiven Pilzen vorfinden. Beide Zellen enthielten je einen halben Gensatz und Dotter, der zur Ernährung des wachsenden Embryos diente. Das Leben damals spielte sich ausschließlich im Wasser ab, da es noch keine Landtiere gab...

Die Geschlechtszellen rivalisieren


Aber in der Biologie gibt es keine hundertprozentige Perfektion. Es treten immer wieder Schwankungen und Abweichungen von der Norm auf. Leben ist in seiner Ausprägung dadurch immer individuell und einzigartig. Auch bei den primitiven Urorganismen ist dies so gewesen. So hat am Beginn der sexuellen Fortpflanzung sicher die Größe der Geschlechtszellen etwas hin und her gependelt. Mal werden manche Individuen kleinere gehabt haben und andere wieder etwas größere. Größere waren gut für den Embryo, hatte er dann doch mehr Wachstumsproviant zur Entwicklung. Größere waren aber nicht gut für das produzierende Individuum, da sie ihm Substanz kosteten. Substanz, die er nicht für weitere Geschlechtszellen zur Verfügung hatte, und auch nicht für sich selbst – für Wachstum und Stoffwechsel.
Noch einmal: Große Geschlechtszellen waren gut für den Embryo aber schlecht für den Elternorganismus. Kleine Geschlechtszellen waren gut für den Elternorganismus, aber schlecht für den Embryo. Die Geschlechtszellen sollten als groß und klein zugleich sein. Das ging natürlich nicht. Produzierten manche Elternindividuen zu kleine Zellen, weil sie zu sparsam waren und kam es zur Vereinigung mit normal großen, stockte irgendwann die Entwicklung des Embryos, weil ihm die Bausteine ausgingen. Die Fortpflanzung viel in diesen Fällen ins Wasser. Die Elternindividuen die aus „Geiz“ zu kleine Zellen fabrizierten, waren von der Auslöschung bedroht.
Aber sie hatten eine Chance auf Vermehrung und dadurch auf Überleben, wenn sie auf Geschlechtszellen von Individuen trafen, die aus Zufall übernormal groß geraten waren. Klein plus abnormal groß ergab ausreichend Wachstumsproviant für den Embryo.
Plötzlich waren jene Elternindividuen die evolutionären Gewinner, die bei diesem Wettrennen kleine Geschlechtszellen produzierten, weil diese so billig waren und trotzdem ihren Zweck erfüllten


Ausbeutung etabliert sich


Die Individuen mit den kleinen Geschlechtszellen entwickelten sich in der Folgezeit so, dass ihre Gameten immer noch kleiner wurden, und ihre Anzahl immer noch mehr.
Weil die eine Sparte zu Winzlingen tendierte, war die andere Sparte gezwungen immer größere Geschlechtszellen zu produzieren. Sie mussten ja das Manko der kleinen Zellen ausgleichen. Die Unterschiede zwischen großen und kleinen Geschlechtszellen wurden über viele Jahrmillionen immer extremer. Bei den Vögeln und den Reptilien sind sie heute am extremsten. Die Eier können faustgroß sein und einige wenige und die dazugehörigen Spermien können Milliarden betragen und nur unter dem Mikroskop zu sehen sein...
Über Jahrmillionen gesehen entwickelte sich ein ausbeuterischer Trend, bei dem eine Klasse von Individuen gezwungen wurde immer größere Geschlechtszellen zu produzieren und immer aufwändigere, weil die andere Seite immer geiziger wurde und immer billiger produzierte. Die Elternorganismen, die billiger aus der Sache herauskamen, waren die evolutionären Gewinner dieses Wettrennens. Die anderen waren die Verlierer, weil sie wertvolle große Geschlechtszellen produzieren mussten, von denen sie zeitlebens nicht beliebig viele herstellen konnten...


Männlich und weiblich entsteht


Und diese ausgebeutete Sparte saß nun in einer evolutionären Sackgasse fest, aus der es kein Entrinnen gab. Der für sie ungünstige Trend hätte nur umgekehrt werden können, wenn sie wieder damit begonnen hätten, kleinere Geschlechtszellen zu produzieren. Dies hätte aber die Fortpflanzung unterbrochen und zu einem Aussterben der Organismen geführt.
So wurde die Situation mit der Zeit immer unausgewogener. Die kleinen Geschlechtszellen wurden ultraklein und mit einem Antrieb ausgerüstet. So konnten sie wie Torpedos durchs Wasser flitzen, um die großen und unbeweglichen Geschlechtszellen aufzuspüren...

Die ausgebeuteten, großen und unbeweglichen Gameten nennt man heute Eier; sie stammen von den weiblichen Individuen. Die Winzlinge, gemein und ausbeuterisch, nennt man Spermien. Wie jeder weiß, kommen sie aus männlicher Produktion.
Da von den großen Eiern viel weniger auf der Welt existieren als von den kleinen Spermien, haben Männchen und Weibchen unterschiedliche Reproduktionsstrategien entwickelt. Diese differierenden Verhaltensweisen sind wahrscheinlich für die Unterschiede verantwortlich, die es zwischen den Geschlechtern gibt.

Männchen könnten mit ihrem gewaltigen Spermavorrat Unmengen von Weibchen besamen, viel mehr als ihnen überhaupt zur Verfügung stehen. Diese Tatsache führt zu einer scharfen Konkurrenz unter den Männchen. Je nach Güte kommen manche in den Genuss viele Weibchen zu besamen, während die genetisch Schlechten als Loser „in die Röhre“ gucken.
Diesen Preis muss das männliche Geschlecht für seine riesengroße Vermehrungsfähigkeit bezahlen.


Weibchen werden wählerisch


Metaphorisch könnte man sagen, dass die Männchen Schlange vor den Weibchen stehen, die penibel darauf achten, mit wem sie ihre wertvollen Eier teilen. Würde sich ein Weibchen mit einem „schlechten“ Männchen einlassen, wäre das aus der Sicht des Männchens biologisch vorteilhaft. Aber das Weibchen wäre die Gelackmeierte, weil ihr großes Fortpflanzungsengagement zu einem genetisch schlechten Ergebnis führen würde. Sie hätte ihre Ressourcen verschwendet. Ihre Nachkommen wären nicht so lebenstüchtig, wie sie hätten sein können. Von der evolutionären Biologie her gesehen ein schwerer Fehler. Die Evolution hat die Weibchen deshalb seit undenklichen Zeiten sehr vorsichtig gemacht, was die Wahl ihrer Sexualpartner anbelangt. Dies hat tierische Weibchen so werden lassen wie sie sind, und die menschlichen auch.

Die Männchen andererseits, mit ihren unglaublichen Massen an Spermien, brauchen sich bei einem Sexualakt – biologisch gedacht – keine so großen Gedanken um die Konsequenzen machen. Wenn sie dabei nichts gewinnen, macht das weiter nichts, weil sie auch nichts verlieren können...
Dieses biologische Faktum hat den Männchen die Fähigkeit zur Polygamie schon vor einer Jahrmilliarde in die Wiege gelegt.

Freitag, 27. August 2010

Die weibliche sexuelle Lustlosigkeit

Die weibliche sexuelle Lustlosigkeit ist in Ehen und Lebenspartnerschaften ein großes Thema. Viele Zweierbeziehungen geraten schon nach wenigen Jahren in ernste Schwierigkeiten: Die Frauen verlieren die Lust am Sex. Störungen der weiblichen sexuellen Appetenz, so die Fachbezeichnung, sind weiter verbreitet als man gemeinhin annimmt.

Paare, die früher nicht die Finger voneinander lassen konnten, sind traurig und enttäuscht, weil das Feuer nachlässt. Eine Fülle an wissenschaftlichen Datenmaterial belegt, dass so eine unglückliche Entwicklung unserer menschlichen Natur entspricht. Die Evolution hat offensichtlich für die Spezies Mensch festgelegt, dass Liebe und Leidenschaft im Schnitt nur drei, vier Jahre andauern...

Hat eine Frau Säuglinge oder Kleinkinder zu versorgen, verstärkt sich dieser Trend dadurch noch mehr. Der Mann steht während dieser Zeit gewöhnlich nicht im Mittelpunkt ihres Denkens und Fühlens, weil der Nachwuchs alle Kräfte absorbiert. Bei manchen Frauen kommt die Lust auf körperliche Liebe völlig zum Erliegen. Natürlich reagieren die Männer sauer und enttäuscht, weil ihre Bedürfnisse nach Sex nicht erfüllt werden.
Viele Ehepaare geraten in solchen Situationen regelrecht in einen Teufelskreislauf bzw. in eine Abwärtsspirale, was die Libido der Ehefrauen anbelangt.

Männer besitzen – ihrer Natur entsprechend – einen stärkeren Sexualtrieb als Frauen. Diese wiederum sind mehr an Beziehungsdingen interessiert und am „Nestbau“. Diese unterschiedlichen Bedürfnislagen sind während der „Hochzeit“ eines Paares durch unbewusste Angleichungsprozesse verwischt. Das heißt sie ist verstärkter an Sex interessiert und er ist gerne bereit, auch auf ihre romantischen Bedürfnisse einzugehen.

Aber, wenn die Hochzeit eines Paares vorüber ist, kommt eine Beziehung sehr oft in ungünstiges Fahrwasser: Sie verliert mehr und mehr die Lust auf Sex und er hat parallel dazu immer weniger Lust ihr eine schöne Beziehung zu bieten...

Bei Frauen kann das Bedürfnis nach Sex regelrecht einschlafen: Je weniger sie hat, desto weniger braucht sie. Bei ihm ist es gerade umgekehrt: Je weniger Sex er hat, desto versessener wird er darauf. Seine unbefriedigte Sexualität baut auf seiner Seite ein gehöriges Frustpotential auf, das seine Frau sehr stark unter Druck setzt. Manchmal setzt sie sich auch selber unter Druck, weil ihr ihre Lustlosigkeit unheimlich ist. Manche lassen sich dann auf Sexualkontakte ein, weil sie meinen, dass es unbedingt sein müsste, obwohl sie im Grunde keine Lust dazu haben. Diese unglückliche Situation kann ihrer angeknacksten Libido den Rest geben. Bei manchen entwickelt sich eine ausgeprägte Sexualaversion, die nicht einmal mehr die kleinsten Zärtlichkeiten duldet.

Bezüglich der Sexualität polarisiert sich die Beziehung immer mehr: Während er nur noch an das Eine denkt, wird ihr schon bei der Vorstellung schlecht, dass es bald wieder einmal soweit sein sollte...
Eine geeignete Paarberatung, möglichst schon im Vorfeld so einer Entwicklung, kann die Eigendynamik dieses Prozesses verhindern. Einem Aufschaukeln und Verfestigen kann so wirkungsvoll vorgebeugt werden. Dies ist unabdingbar, um wieder sexuelle Lust auf Seiten der Frau in Gang zusetzen.